Montag, 12. November 2012

Ratte als Vehikel

Ganeshas Ratte in Suriya Binayak


Einer der verrücktesten Orte, den ich je besucht habe, ist eine heilige Stätte für den hinduistischen Gott Ganesha. Dieser Ort heißt Suriya Binayak und ist der östlichste der vier sogenannten Vinayak-Tempel  im Osten von Kathmandu. Ganesha ist der Gott mit dem Elefantenrüssel, Gott für verschiedene Aspekte, wie Hindernisse überwinden, Glück, Intelligenz u.ä.
Ganesha hat als Reisetier eine Ratte.
Im Hinduismus besitzen die Götter mindestens ein Tier, das sie trägt, sie auf Reisen begleitet. Unter Reise versteht man natürlich eine geistige Reise.

In diesem Tempel, Suriya Binayak, werden Ganesha und seine Ratte geehrt. Die bronzene Ratte thront auf einer 2,5 Meter hohen Säule. Man schaut von unten nach oben auf Schwanz, Bauch und Schnauze.

Suriya Binayak (Foto: Jonas Pitz)




Realistisch gesehen ist es verrückt, zu einer Ratte empor zu blicken und sie anzubeten.
Aber Dinge sind niemals das, was sie sind, sondern das, was sie  bedeuten.

Nachdem ich meine Vorurteile abgelegt und versucht hatte, die Bedeutung zu fühlen, dachte ich: Diese Ratte ist Ganeshas Ratte, Ganesha bringt Glück, er überwindet alle Hindernisse, also muss die Ratte dabei eine enorme Rolle spielen.
Gut, in Ordnung -  jede Religion hat ihre Regeln und Symbole. Zum Schluss haderte ich nicht mehr. Auch dann nicht, als ich -  meinen Blick von oben auf den Boden gerichtet -  Tausende von Fliegen sah. Sie schienen andere "Reisetiere" gewesen zu sein, vielleicht von anderen Göttern. Sie liebten den Boden. Dort lag nämlich sehr viel organischer Dreck.


Ich erkannte, dass es zwar Denkstrukturen gibt, sie alle aber wackelig und letztendlich austauschbar sind.
Ein Pilger macht ein Schläfchen neben dem Altar

Falls sich einer meiner Leser einmal entscheidet, Suriya Binayak aufzusuchen, sollte er wissen, dass er erst unzählige Treppen überwinden muss, um zu diesem Tempel zu gelangen.



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